Arbeitsproben

Niemand kauft gerne die Katze im Sack. Sich ein Buch schreiben zu lassen, ist ein kostspieliges Projekt, bei dem sich potenzielle Auftraggeber natürlich ein gewisses Maß an Sicherheit wünschen, was die Wahl ihres Ghostwriters angeht. Die einfachste Möglichkeit dafür sind Arbeitsproben. Dazu ist es allerdings wichtig, die Arbeitsweise eines Ghostwriters zumindest ansatzweise in ihren Grundzügen zu verstehen, denn sonst ist jede Frage nach Arbeitsproben blanker Unfug. Selbstverständlich bekommen Sie aber eine Arbeitsprobe von mir – es kommt nur auf den Zeitpunkt an.

Nehmen wir einmal an, Sie möchte sich ein Buch schreiben lassen und ziehen dabei in Betracht, möglicherweise mit mir als Ihrem Ghostwriter zusammenzuarbeiten. Bislang kennen wir uns jedoch noch nicht – Sie kennen mich nicht, und, was für meine Arbeit genauso wichtig ist, ich kenne Sie nicht. Vielleicht haben Sie mich ja schon kontaktiert, sich nach freien Kapazitäten erkundigt und mir in wenigen Sätzen Ihr geplantes Buchprojekt beschrieben. Das ist alles, was ich zu diesem Zeitpunkt über Sie und Ihr geplantes Buch weiß. Ihr übergeordnetes Ziel ist es, einen Textprofi zu finden, der genau das Buch für Sie schreibt, das Ihnen vorschwebt, eine Maßanfertigung. Sie suchen nicht irgendjemanden, der Ihnen mal eben 200 Seiten mit irgendetwas vollschreibt, auch wenn es aus Ihrem Themenbereich ist, denn sonst würden Sie sich wahrscheinlich keine Gedanken über Arbeitsproben machen. Mein übergeordnetes Ziel dabei ist es, genau diese Maßanfertigung, das Buch, das Sie vor Ihrem geistigen Auge bereits sehen, ja beinahe lesen können, für Sie zu schreiben. So weit, so gut. Bis hier hin sind wir uns wahrscheinlich vollkommen einig.

Die Frage, die sich nun stellt, ist: Wie stelle ich es an, dass nach einigen hundert Stunden Arbeit am Manuskript Ihres Buches das herauskommt, was Sie sich vorgestellt haben? Die einzig mögliche Antwort darauf ist: Ich muss es vorher wissen, was Sie von mir haben möchten, und zwar so konkret wie möglich, anders geht es nicht. Manche potenziellen Auftraggeber scheinen zu glauben, es gäbe nur eine richtige Möglichkeit, ihr Buch zu schreiben, und das Thema mit einigen kurzen Sätzen zu umreißen würde einem Profi genügen, um zumindest eine Arbeitsprobe abliefern zu können, anhand derer sie dann über eine mögliche Zusammenarbeit entscheiden. Natürlich ist das absoluter Unsinn.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie man ein und das selbe Buchprojekt umsetzen kann. Das trifft auch auf einzelne Seiten daraus, also beispielsweise die Arbeitsproben, zu. Nichts davon ist grundsätzlich richtig oder falsch. Sehr wohl wird es aber Varianten geben, die Sie als potenzieller Auftraggeber gegenüber anderen bevorzugen. Es geht dabei um Punkte wie den Aufbau, die Gliederung, den Stil, die Botschaft, die Sie vermitteln möchten, Dinge, die Sie möglicherweise unter gar keinen Umständen ansprechen möchten, und vieles mehr. Um zumindest eine reelle Chance zu haben, das für Sie machen zu können, was Sie wirklich haben möchten, muss ich solche Dinge wissen. Diese sind nicht selbstverständlich sondern von Autor zu Autor höchst individuell.

Manche potenziellen Auftraggeber möchten mit der Bitte um eine Arbeitsprobe einfach nur erfahren, „wie ich formuliere“. Das ist sicher nur in allerbester Absicht, doch in diesem Stadium eines Buchprojektes, meist nach einem E-Mail-Kontakt oder einem ersten Gespräch über den grundsätzlichen Ablauf eines solchen Projektes, ebenfalls noch blanker Unfug. Wer wissen möchte, wie ich formuliere, der könnte sich einfach meine Webseite durchlesen. Darauf befinden sich momentan über 100 Normseiten Text, was eigentlich genügen sollte, um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie ich formuliere. Die Frage, die Sie sich als potenzieller Autor dabei aber unbedingt stellen sollten, lautet: Was nützt Ihnen dieses Wissen? Und dabei geht es nicht darum, dass Sie für Ihr Buch ein anderes Thema haben als ich auf meiner Internetseite – schließlich geht es ja um das Formulieren.

Dafür ist folgendes wichtig zu wissen: Ein professioneller Ghostwriter schreibt Auftragsarbeiten für einen Autor niemals in seinem eigenen ganz persönlichen Stil, einfach frei von der Leber weg. Das wäre zwar herrlich einfach, würde den Auftraggeber aber sehr wahrscheinlich nur in den seltensten Fällen zufrieden stellen. Sie sind der angehende Autor Ihres Buches und möglicherweise mein potenzieller Auftraggeber. Als Ihr Ghostwriter schreibe ich die Maßanfertigung Ihres Buches für Sie – und nicht mein Buch zu Ihrem Thema, so, wie ich es vielleicht machen würde. Darum ist es auch vollkommen irrelevant, wie ich formuliere. Sie sind der Autor des Buches und Sie sollten darin wiedererkennbar sein und sich auch selbst darin wiederfinden. Ihre Stimme als Autor, Ihren Stil, Ihre Art sich auszudrücken übernehme ich bei unseren persönlichen Gesprächen, in denen Sie mir die Inhalte Ihres Buches detailliert schildern. Für ein Buch mit beispielsweise 200 Seiten kommen dabei schnell 20 bis 25 Stunden Gesprächszeit zusammen, in denen ich mir ein gutes Bild von Ihrer Autorenstimme machen kann. Damit versuche ich dann so gut wie möglich ein Buch zu schreiben, das den Eindruck macht, als wäre es höchst professionell von Ihnen persönlich verfasst worden. Das ist das große Ziel hinsichtlich Stil beim Ghostwriting – es geht dabei nie um meinen persönlichen Stil. Und auch dieses Ziel kann ein Ghostwriter in einer Arbeitsprobe unmöglich erfüllen, die noch vor diesen Gesprächen zustande gekommen ist. Eine solche Arbeitsprobe wäre vollkommen wertlos, wenn nicht sogar kontraproduktiv weil sie ein völlig falsches Bild meiner Arbeit für Sie vermittelt, da mir zu diesem Zeitpunkt noch wichtige Informationen und Eindrücke fehlen, die ich unbedingt brauche. Wenn ich einem solchen Wunsch nach einer Arbeitsprobe gleich nach unserem ersten Kontakt nachkommen würde, täte ich damit weder Ihnen noch mir einen Gefallen. Deshalb lehne ich das grundsätzlich ab.

Häufig bitten mich potenzielle Auftraggeber um eine Arbeitsprobe, zu einem Zeitpunkt, zu dem ich noch nicht einmal die kompletten Inhalte des geplanten Buches im Detail kenne. Ein Konzept existiert in den meisten Fällen sowieso noch nicht. Ein extremes Beispiel, das aber gar nicht so selten vorkommt, sind Romanschriftsteller, die sich ihren Roman schreiben lassen möchten, mir dazu kurz ihre Idee schildern, jedoch weder einen fertigen Plot noch ausgearbeitete Charaktere haben und trotzdem von mir möchten, dass ich ihnen als Arbeitsprobe ein paar Seiten ihres künftigen Romans vorlege. So etwas kann einfach nicht funktionieren. All diese Planungsschritte, genauso wie die vorbereitenden Schritte im Projektablauf mit einem Ghostwriter, sind unbedingt erforderlich, sie sind das Fundament der Arbeit am Manuskript.

Mir ist klar, die meisten solcher Anfragen, speziell jene, bei denen es darum geht, überprüfen zu wollen, ob ich mein Handwerk denn beherrsche, stammen von vollkommenen Laien. Das ist so leicht zu erkennen, wie einen Biertrinker, der gerade die Qualität eines teuren Weines überprüft. Doch darum geht es nicht, denn wären diese potenziellen Auftraggeber selbst professionelle Schriftsteller, würden sie wahrscheinlich selbst schreiben und nicht die Unterstützung eines Profis suchen. Trotzdem oder eigentlich gerade deshalb erlaube ich mir, mir von Laien nicht sagen zu lassen, wie ein solches Projekt abläuft beziehungsweise wie ich meine Arbeit zu machen habe. Auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders kundenfreundlich aussieht, ist es das in jedem Fall, bitte glauben Sie mir. Es liegt im Interesse des Kunden, selbst wenn er es möglicherweise noch nicht weiß.

Selbstverständlich bekommen Auftraggeber eine Arbeitsprobe von mir, zusammen mit der Möglichkeit zu entscheiden, ob ich der richtige Partner für ihr Buchprojekt bin. Das ist in all meinen Projekten Standard und kein Auftraggeber muss mich eigens darauf hinweisen. Diese Arbeitsproben liefere ich jedoch zu einem fest definierten Zeitpunkt im Projektablauf, nämlich dann, wenn ich alles Nötige dafür habe und es damit sinnvoll möglich ist, einen projektbezogenen Probetext überhaupt zu verfassen. Vorher nicht. Das früher zu tun, wäre ein Schuss ins Blaue, absoluter Zufall, damit die Anforderungen des Auftraggebers zu treffen und in keiner Weise sinnvoll. Sie werden verstehen, dass ich erst dann wirklich versuchen kann, einen Text zu verfassen, wie Sie als Autor ihn gerne haben möchten, wenn ich möglichst genau weiß, was das überhaupt ist. Alles andere wäre meiner Meinung nach gelinde gesagt unprofessionell. Ich bin mir relativ sicher, dass es Kollegen gibt, die sich auf so etwas einlassen würden, aber ich tue das in Ihrem und in meinem Interesse nicht. Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig. Einverstanden?