Die Gespräche mit dem Ghostwriter – wie kann man sich darauf vorbereiten?

Wenn alles soweit erledigt und der Vertrag unterschrieben ist, naht irgendwann der erste eigentliche Gesprächstermin mit Ihrem Ghostwriter als Grundlage für dessen spätere Manuskriptarbeit. In diesen Gesprächen geht es nun darum, dass Sie als Autor dem Ghostwriter die Inhalte Ihres Buches mündlich vermitteln, möglichst detailliert und strukturiert im Falle eines Sachbuches, beziehungsweise chronologisch, wenn es um eine Geschichte für eine Biografie, Ihre Autobiografie oder einen Roman geht. Diese Gespräche sind überaus wichtig, denn sie sind die Basis für das Manuskript Ihres zukünftigen Buches.

Bezogen auf die Inhalte Ihres Buches ist Ihr Ghostwriter ein völlig Außenstehender, und das ist auch gut so. Diese Gespräche sind sein erster Kontakt mit Ihrer Lebensgeschichte im Falle einer Biografie oder mit Ihrem Spezialgebiet im Falle eines Sachbuches. Er kennt weder Details aus Ihrem Leben noch welche aus Ihrem Fachgebiet als Experte. Seien Sie sich deshalb bitte immer bewusst, wenn Sie wollen, dass etwas an der richtigen Stelle, beziehungsweise überhaupt in Ihrem Buch steht, müssen Sie mir als Ihrem Ghostwriter das auch erzählen.

Lückenlose, strukturierte und chronologische Erzählungen sind wichtig

Ich betone das deshalb relativ provokant, weil es tatsächlich vorkommt, dass Menschen mir einen relativ groben Überblick über ihre Lebensgeschichte geben, selbstverständlich nicht chronologisch, dafür aber mit zahllosen Wiederholungen und Lücken, sich dann aber eine perfekte Biografie von mir erwarten, mit Details, von denen in den Gesprächen nie die Rede war, in welcher der Leser sogar noch die Gefühle des Autors in den jeweiligen Situationen erfährt. Bei Sachbüchern tritt dieses Phänomen glücklicherweise weniger häufig auf. Trotzdem wiederhole ich mich lieber einmal zu viel als zu wenig: Ich schreibe Ihr Buch aus den Informationen, die Sie mir ganz zu Beginn unserer Zusammenarbeit geben. Unzählige Wiederholungen der selben Situation an den verschiedensten Stellen machen einen Sachverhalt nicht wichtiger und eine chronologische Erzählweise ist für mich essenziell. Viele (Zeit-) Sprünge in Ihrer Erzählung machen die Arbeit für mich zudem zu einem entnervenden und eigentlich nicht nötigen Puzzlespiel. Ob ich aus dramaturgischen Gründen in Ihrem Buch dann mit Rückblenden arbeite, ist eine Entscheidung, die erst später fällt. In diesen Gesprächen brauche ich alle Informationen, die in Ihr Buch sollen, und zwar der Reihe nach.

Manche Autoren scheinen keinerlei Mühe zu scheuen, meine schriftstellerischen Fähigkeiten zu hinterfragen und diese überprüfen zu wollen, wenn es dann aber um die Inhalte geht, mit denen ich ihr Buch schreiben soll, habe ich in solchen Fällen oft den Eindruck, dass man sich darüber nur sehr wenig wenn überhaupt Gedanken gemacht hat. Sich ein Buch schreiben zu lassen ist nicht nur eine Frage der schriftstellerischen Fähigkeiten des Ghostwriters, es kommt in erster Linie auf die Inhalte an. Ohne eine solide inhaltliche Basis nützt Ihnen alle schriftstellerische Handwerkskunst nichts.

Schreiben Sie ein Inhaltsverzeichnis Ihres Buches

Selbst wenn Ihr Buch später kein Inhaltsverzeichnis haben sollte, empfehle ich, dass Sie als erstes versuchen, für sich selbst eine Art Inhaltsverzeichnis zu schreiben. Erst einmal nur ganz grob, verfeinern werden Sie es später. Welches sind die wichtigsten Themen beziehungsweise Ereignisse und in welcher Reihenfolge sind diese in der Struktur Ihres Buches beziehungsweise chronologisch sinnvoll? Damit verschaffen Sie sich erst einmal selbst einen groben Überblick über die Inhalte Ihres Buches.

Ergänzen Sie das Inhaltsverzeichnis mit wichtigen Details

Wenn Ihr Inhaltsverzeichnis soweit fertig ist, und Sie die wichtigsten Punkte in einer sinnvollen Reihenfolge vor sich haben, ist der Zeitpunkt gekommen, jeden Punkt mit Unterpunkten zu versehen. Ergänzen Sie jeden Eintrag stichpunktartig mit wichtigen Details und verfeinern damit die Gliederung Ihres Buches. Das hilft Ihnen nicht nur, Ihre Gedanken zu sortieren, sondern weckt auch neue Gedanken und Ideen, die Sie sonst vielleicht vergessen oder nicht berücksichtigt hätten.

Wenn Sie damit fertig sind, jeden Hauptpunkt Ihres Inhaltsverzeichnisses weiter untergliedert und all diese Unterpunkte in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht haben, schlafen Sie erst einmal eine Nacht darüber, falls nötig auch mehrere. Sehen Sie Ihre Notizen dann noch einmal durch und nehmen Sie gegebenenfalls Änderungen vor. Sollten Sie es für nötig halten, führen Sie eine weitere Gliederungsebene ein und verfeinern Sie Ihre Gliederung noch weiter.

Wenn Sie gerne am Computer arbeiten, funktioniert das natürlich perfekt. Manche Autoren arbeiten dabei auch gerne mit Kärtchen und beziehungsweise oder Flipcharts. Auf diese Weise lässt sich die Struktur sehr leicht verändern und damit experimentieren. Wenn die Gliederung erst einmal steht, lässt sie sich anschließend für die folgenden Arbeiten sehr schnell auf den Computer übertragen.

Schreiben Sie einen kurzen Absatz zu jedem wichtigen Detail

Nun sind Sie schon sehr tief vorgedrungen. Schreiben Sie nun zu jedem Detail einen kurzen Absatz. Worum geht es ganz konkret? Als Hilfestellung können Sie sich dazu der W-Fragen bedienen und diese einfach kurz beantworten: wer, was, wann, wo, wie und warum? Viele von Ihnen werden bei diesem Schritt die Nase rümpfen – machen Sie sich aber keine Gedanken, das sind nur Notizen, Sie wollen damit keinen Preis gewinnen, es geht nur um die Inhalte.

Abhängig von der Anzahl Ihrer Punkte kann dieser Schritt etwas Arbeit machen. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, denn damit erhalten Sie ein sehr detailliertes Konzept und stoßen vielleicht noch auf die eine oder andere Unstimmigkeit, die Sie dann leicht beheben können, noch bevor ein ganzes Manuskript umgeschrieben werden muss. In sehr vielen Fällen führt dieser Arbeitsschritt auch zu neuen Ideen für das Manuskript.

Gehen Sie Ihre Notizen noch einmal durch

Wenn Sie das alles gemacht haben, legen Sie es erst einmal zur Seite und schlafen Sie mindestens eine Nacht darüber. Lesen Sie dann Ihre Notizen noch einmal komplett durch. Achten Sie darauf, ob Sie vielleicht etwas vergessen haben, ob alles schlüssig ist und ob die Reihenfolge stimmt. Sollte Ihnen noch etwas auffallen, ergänzen oder ändern Sie es einfach. Schlafen Sie noch einmal eine Nacht darüber und gehen Sie Ihre Notizen wieder durch. Diesen Schritt können Sie ganz nach Belieben so oft wiederholen, bis Sie sich sicher sind, dass alles passt.

Damit haben Sie den perfekten Unterbau für Ihr Buch geschaffen und sind für die Gespräche mit Ihrem Ghostwriter bestens gewappnet. Sie ersparen sich selbst und ihm eine Menge an Komplikationen, wenn Sie ihm ermöglichen, gleich von Anfang an richtig zu arbeiten, statt hinterher ein fertiges Manuskript umzuschreiben, das auf Basis einer schlechten oder gar keiner Vorbereitung des Autors geschrieben wurde.