Ist ein Ghostwriter, der eine Vorauszahlung verlangt, überhaupt vertrauenswürdig?

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Anfrage, ob es denn schon vertrauenswürdig wäre, wenn ein Ghostwriter sein Honorar im Voraus bezahlt haben möchte. Ich halte diese Frage für wichtig, sodass ich ihr hier einen kleinen Beitrag widmen möchte.

Ganz zu Beginn möchte ich festhalten, dass Vorauszahlungen in dieser Branche durchaus üblich sind. Ich werde normalerweise im Voraus bezahlt, wie die meisten meiner Kollegen auch. Das ist also keineswegs ein Merkmal, an welchem man die unseriösen schwarzen Schafe der Ghostwriterbranche identifizieren kann, ganz im Gegenteil. Ich habe es zwar nicht überprüft, aber ich denke, die meisten professionellen und seriösen Ghostwriter arbeiten auf dieser Basis. Diese Zahlungsmodalitäten lassen sich aus mehrerlei Sichtweisen gut begründen, denn es geht hier einerseits natürlich um Liquidität und andererseits auch um die gefährdete Existenz eines Ghostwriters, der im Normalfall Einzelunternehmer ist, bei einem Forderungsausfall für die Arbeit mehrerer Monate.

Ist denn der Kunde überhaupt vertrauenswürdig?

Natürlich ist eine Vorauszahlung eine Vertrauensfrage. Einem Ghostwriter das komplette Honorar im Voraus zu bezahlen verlangt vom Kunden genauso viel Vertrauen, wie es umgekehrt vom Ghostwriter verlangt, ein komplettes Buch erst nach Abschluss des Manuskriptes zu verrechnen. Überlegt es sich ein Kunde nach Abschluss der Schreibarbeiten am Manuskript anders, dann sind unter Umständen viele Monate Arbeit des Ghostwriters unwiederbringlich verloren. Das wäre in vielen Fällen das wirtschaftliche Todesurteil für einen Ghostwriter. Neben meinem Interesse an zufriedenen Kunden bin ich als Einzelunternehmer natürlich auch sehr interessiert daran, genau das zu vermeiden.

Es ist also durchaus auch berechtigt, diese Frage einmal umgekehrt zu stellen: Ist ein Kunde, der von einem Ghostwriter viele Monate Arbeit als Vorleistung haben will, denn überhaupt vertrauenswürdig? In meinem konkreten Fall kann ich sagen, dass ich bisher noch immer vereinbarungsgemäß geliefert habe, jedoch schon öfters der Zahlungsbereitschaft von Kunden etwas auf die Sprünge helfen musste, was immer recht viel zusätzlichen Aufwand und auch zusätzliche Kosten bedeutet. All diesen Ärger möchte ich Ihnen und mir ersparen indem ich für alle Beteiligten die idealen Rahmenbedingungen schaffe. Die Erfahrung hat leider gezeigt, dass dies hin und wieder nötig ist. Wären alle so ehrlich wie Sie und ich, bräuchten wir wahrscheinlich nicht einmal einen Vertrag.

Die Sache mir der Liquidität

Für mich, und wahrscheinlich auch für die meisten meiner Kollegen, ist es aber nicht unbedingt nur die Vertrauensfrage gegenüber meinen Kunden, die mich dazu bewegt, meine Arbeit im Voraus zu verrechnen, es ist die lange Zeit, während der ich an einem Manuskript für ein Buch arbeite, während der ich schließlich von irgendetwas leben muss. Das schließt eine komplette Verrechnung nach Projektabschluss von vornherein aus. Größere Unternehmen, also Agenturen oder ähnliches, die immer mehrere Projekte zur selben Zeit bearbeiten, haben dieses Problem eher weniger. Ein Einzelunternehmer, was die meisten Ghostwriter sind, der über Monate nur an einem einzgen großen Projekt arbeitet, bevor er sich dem nächsten zuwendet, muss sich hier etwas einfallen lassen.

Trotzdem muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich einfach nicht bereit bin, es zu riskieren, nach vielen Monaten Vollzeitarbeit auf einem unbezahlten Manuskript sitzen zu bleiben und möglicherweise klagen zu müssen. Da ich es gewohnt bin, mich an Vereinbarungen zu halten, verlange ich das auch von meinen Kunden, und die perfekte Möglichkeit dazu ist die Vorauszahlung.

Ratenzahlungen beim Ghostwriting

Idealerweise bekomme ich die komplette Vertragssumme gleich zu Projektbeginn. Da mir aber klar ist, dass das so manchen Kunden vor ein finanzielles Problem stellt, bin ich natürlich zu Kompromissen in Form von monatlichen Ratenzahlungen bereit. Für die meisten Kunden ist das sehr angenehm. Wirklich problematisch ist das nur für diejenigen, die von Anfang an gar nicht vorhaben, mich für meine Arbeit zu bezahlen, was unter anderem auch der Sinn der Sache ist. Da ich nicht davon ausgehe, dass Sie mich betrügen wollen, nehme ich ebenso an, dass diese Vorgehensweise auch ganz in Ihrem Sinne ist.

Lieferungen und Zahlungsbedingungen sind vertraglich geregelt

Da ich für jedes Projekt mit dem Kunden einen Vertrag abschließe, steht niemand von uns auf verlorenem Posten. Lieferung und Bezahlung sind schriftlich vereinbart und so muss auch bei einer Vorauszahlung bei mir niemand befürchten, dass ich nicht liefere. In den meisten Fällen sind diese Zahlungen monatliche Raten und gehen Hand in Hand mit meinem Arbeitsfortschritt, trotzdem sind es monatliche Vorauszahlungen. Wenn alles gut funktioniert, dann ist das sowohl für den Kunden als auch für mich sehr angenehm. Funktioniert es nicht, haben auch beide die Möglichkeit, die Zusammenarbeit zu beenden und aus dem Vertrag auszusteigen. Damit hält sich das Risiko für alle Beteiligten auf einem vertretbaren Minimum. Ganz ohne Risiko geht es im Leben leider nicht. Würde diese Möglichkeit bestehen, würde ich sie Ihnen anbieten.

Stellt sich diese Vertrauensfrage an Ihren Ghostwriter überhaupt?

Trotz allem möchte ich aber das Thema Vertrauen noch einmal ansprechen. Natürlich wird niemand einem Ghostwriter das Honorar für ein komplettes Manuskript im Voraus überweisen, wenn er diesem nicht vertraut, das ist gar keine Frage. Aber lassen Sie uns diesen Gedanken doch einmal weiterspinnen: Würden Sie denn überhaupt Ihr Buch mit mir schreiben, mir intime Details aus Ihrem Leben oder Ihrer Arbeit erzählen, wenn Sie mir nicht vertrauen? Wahrscheinlich nicht, oder? Also ich würde das jedenfalls nicht tun. So gesehen stellt sich doch diese Vertrauensfrage bei der Bezahlung gar nicht. Wenn Sie mir bei der Bezahlung meines Honorars nicht vertrauen, dann kann ich Ihr Buch nicht schreiben – Sie würden mir auch in unserer Zusammenarbeit nicht vertrauen und mir möglicherweise wichtige Informationen für Ihr Buch vorenthalten.

Da wir uns zu Projektbeginn persönlich überhaupt nicht kennen, verstehe ich diese Bedenken natürlich. Deswegen schließen seriöse Ghostwriter Verträge mit ihren Kunden ab. Der erste Vertrag ist eine schlichte Geheimhaltungsvereinbarung, in der festgelegt ist, dass keinerlei Informationen des Kunden vom Ghostwriter an Dritte weitergegeben werden. Der zweite Vertrag ist der eigentliche Ghostwriting-Vertrag, in welchem alle wichtigen Rahmenbedingungen detailliert festgehalten sind. Diese Verträge bieten sowohl für den Kunden, als auch für den Ghostwriter ein Maximum an Sicherheit.

Bis es zu einem Vertragsabschluss kommt, haben wir schon einiges zu Ihrem Buchprojekt persönlich besprochen, wir haben uns persönlich kennen gelernt und können uns sehr viel besser einschätzen, als zu dem Zeitpunkt, als Sie mir Ihre erste Anfrage geschickt haben. Normalerweise ist diese Vertrauensfrage dann überhaupt kein Thema mehr. Entweder die Chemie stimmt oder sie stimmt nicht – Ihr Bauchgefühl wird es Ihnen sagen.

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